Handlungsbedarf macht Thiemann auch bei den aktuellen Verhandlungen zur Regulierung der Digitalmonopole in Brüssel aus: "Es kann nicht sein, dass die EU-Kommission und nun auch offenbar der Ministerrat Google und Facebook von der Basisverpflichtung auf faire und diskriminierungsfreie Zugangsbedingungen ausnehmen wollen. Weder die geschäftsführende noch die künftige Bundesregierung darf das akzeptieren", so sein Appell.

Christian Nienhaus

Christian Nienhaus

Auch eine Runde aus Verlagsvertretern war sich über diese Notwendigkeit einig. Dazu müsse auch die Möglichkeit geschaffen werden, weitere Allianzen einzugehen. Springer-Manager Christian Nienhaus (Bild) forderte, dass "das Kartellrecht mit der Veränderung der Märkte endlich mitwachsen muss". Bianca Pohlmann von der Funke Mediengruppe sieht sogar Bedarf für strategische Allianzen bis in kaufmännische Bereiche hinein.

Herausforderungen sehen die Medienmacher auch im publizistischen Bereich. "Die neue Regierung muss eine echte Aufbruchstimmung erzeugen und Dinge machen, die das Leben der Menschen erleichtern", sagt Jörg Quoos, Chefredakteur der Funke Zentralredaktion. Dafür sei die Fokussierung "auf die wirklich wichtigen Projekte notwendig." Dazu zählt auch die Kundenbindung, betont Melanie Amann, Mitglied der Spiegel-Chefredaktion: Ihr ist es wichtig, "die Leser, die uns über Einstiegsangebote lesen, auch zu dauerhaften Zahlern zu machen." Ein Abo müsse eine so normale Ausgabe werden "wie die Telefonrechnung."

Die Themen 2022: Demokratie und Wirtschaftlichkeit

Und was werden die großen Themen für die Verleger im Jahr 2022 sein? Für Philipp Welte, VDZ-Vizepräsident und Burda-Vorstand, ist es entscheidend, dass die neue Regierung erkennt, wie groß die Bedeutung der freien Presse für die pluralistische Demokratie ist. "Wer als politisch Verantwortlicher die Freiheit unserer Gesellschaft und deren Stabilität will, der muss dafür Sorge tragen, dass wir Verlage unserer Aufgabe in der Demokratie auch unter den wirtschaftlichen Bedingungen des 21. Jahrhunderts gerecht werden können."

Bauer Media-CEO Ingo Klinge hatte auch noch einen praktischen Tipp parat, wie die Verleger das Bewusstsein der Politiker für die Bedürfnisse der Medien schärfen könnten: "Einfach öfter mit den Politikern sprechen." Er für seinen Teil werde in der kommenden Woche gleich mal seinen Abgeordneten anrufen.



Manuela Pauker
Autor: Manuela Pauker

leitet das Medienressort der gedruckten W&V. Blattmacherin wollte sie schon früh werden, doch leider gab es zum 14. Geburtstag statt des erhofften Kopierers (zum Produzieren einer Zeitschrift) einen Wandteppich zum Selbstknüpfen. Printmedien blieben dennoch ihre Leidenschaft – auch wenn sie parallel zum TV-Serienjunkie wurde