Konkurrenz für Amazon, Ebay & Co.

Auch wenn es hier noch etwas abzuwarten gilt, verspricht Facebook Shops insbesondere durch die Verbindung von sozialer Komponente und Reichweite ein enormes Potenzial. Denn nicht zuletzt gehören auch Instagram, WhatsApp und Messenger zu diesem umfassenden Ökosystem. Kombiniert mit der gut funktionierenden Plattform für Online-Werbung könnte Facebook so selbst für etablierte E-Commerce-Player wie Amazon und Ebay zu einem mächtigen Konkurrenten werden.

Facebook Shops ist deshalb grundsätzlich für Unternehmen jeglicher Größenordnung interessant, auch wenn die aktuelle Corona-Krise auf den ersten Blick vor allem Vorteile für KMU verspricht. Man sollte sich mit dem Umfang der angebotenen Produkte jedoch beschränken. Denn im Vergleich zu umfangreichen Online-Shops sind die Funktionen – zumindest vorerst – sehr begrenzt. Möchte man im Facebook Shop zu viel, kann sich das negativ auf das Einkaufserlebnis auswirken. 

Dennoch sind es Facebook-User schon lange gewohnt, über die Plattform Produkte zu kaufen oder zu verkaufen. Von dieser Gewohnheit können Unternehmen nun endlich im Rahmen eines strategisch eingesetzten Facebook Shops profitieren. Um hiermit erfolgreich zu sein, gilt es genau zu wissen, wie man sich die damit einhergehende Vielfalt an Möglichkeit am besten zunutze macht. Darum hier fünf wichtige Tipps für den Einstieg in dieses neue E-Commerce-Tool.   

Mit emotionalen Shopping-Erlebnissen der Konkurrenz voraus sein

Michael Kors

Michael Kors

Mit Facebook und Instagram erreicht man per Facebook-Shop auf einen Schlag zwei der erfolgreichsten sozialen Netzwerke in Sachen Produktkommunikation. Dieser Zugang ermöglicht Marken nicht nur, ihre Zielgruppen passgenau anzusprechen, sondern auch sie emotional zu involvieren. Ein beispielloser Vorteil, dessen Tragweite vor allem im Vergleich zu den bekannt fantasielosen Google AdWords deutlich wird.

Wie emotionales Shopping auf Facebook funktionieren kann, zeigt das Beispiel von Michael Kors. Über eine Augmented Reality Ad bot das Fashionlabel seinen Kunden die Möglichkeit, eine Sonnenbrille virtuell Probe zu tragen, verschiedene Glasfarben auszuprobieren und das Wunschmodell direkt zu bestellen. Das Resultat: 14 Prozent mehr direkte Abverkäufe. Gemäß diesen Erkenntnissen gilt auch für den Shop, dass emotionale Erlebnisse zum Erfolg beitragen.

Die Customer Journey mobil gestalten

Kunden kaufen immer häufiger mobil ein. Facebook trägt dieser Besonderheit bereits mit seinen Apps Rechnung. In punkto Mobile Shopping liegt aus Sicht von Experten ein weiterer Schlüssel zu (künftigem) Erfolg zudem im Feed: Er stellt eine einfache und gelernte Art des Konsums von Inhalten dar und suggeriert, dass die angezeigten Informationen für den Nutzer von Interesse sind. Schließlich hat er sie zumeist selbst abonniert.

Der Facebook Shop muss darum unbedingt als ein weiterer Baustein der Customer Journey auf Facebook begriffen werden. Es gilt, alle Elemente aus Nutzersicht zu kreieren und daran zu denken, dass die Kunden sie immer häufiger mobil abrufen. Das bedeutet zum Beispiel, dass man nicht nur die Darstellung der Produkte für die Verwendung auf mobilen Endgeräten optimiert, sondern auch die Auswahl auf Impuls-Käufe in geringeren Preissegmenten ausrichtet.

Das Kundeninteresse über Poll Ads abfragen

Insbesondere Startups haben immer wieder damit zu kämpfen: Die Nachfrage nach ihrem Produkt steigt unvermittelt und völlig sprunghaft an. Den umfangreichen Zugriffen ist der hauseigene Webshop aber leider nicht gewachsen. Er bricht zusammen und hinterlässt viele enttäuschte Kunden. In Kombination mit einem Facebook Shop kann das gesamte Facebook-Spektrum künftig dabei helfen, einen solchen Misserfolg zu vermeiden. Wie das gelingt?

Poll Ads können zum Beispiel dabei helfen, bereits im Vorfeld herauszufinden, wie groß der Run auf ein Produkt sein wird. Ganz einfach, in dem man die Fanbase danach fragt. Den konkreten Abverkauf streut man schließlich über verschiedene Facebook-Kanäle, ohne dass der Kunde das Ökosystem verlassen muss. Auch bei einem großen Ansturm bietet die Facebook-Infrastruktur schließlich ausreichende Stabilität, um standzuhalten. Zumindest darf man davon ausgehen.

Von Automatisierungen profitieren

Facebook baut fortlaufend seine automatischen Optimierungsprozesse aus. Was zum Beispiel für die Anwendung Facebook Business Manager gilt, kann man in Zukunft darum sicherlich auch für das Shopping Erlebnis erwarten. Der Hintergrund: Facebook ist daran interessiert, dass nicht nur die Käufer, sondern auch die Verkäufer mit den Ergebnissen zufrieden sind, damit sie mehr in ihren Auftritt auf Facebook investieren.

Entsprechend erleichtert das Netzwerk durch viele Automatisierungen die dafür nötigen Prozesse. Als Beispiel sei hierfür die Automatisierung von Bezahlung, Platzierung und Targeting von Facebook Ads genannt. Gerade für kleinere Shopbetreiber, für die dies händisch ansonsten sehr viel Zeit bedeuten würden, ist dies von Vorteil. Darum gilt, von Automationen nicht nur bei den Ads, sondern nun auch beim Targeting der Shop Produkte zu profitieren.

Das gesamte Ökosystem nutzen

Wie eingangs bereits erwähnt bedeutet Facebook Shops nicht nur, einen Online-Laden auf einer einzelnen Plattform zu haben. Vielmehr steht dem Betreiber die Salespower des gesamten Facebook-Ökosystems zur Verfügung. Um seinen Kunden ein herausragendes Einkaufserlebnis bieten zu können, sollte man dies auch in vollen Zügen nutzen. Das heißt nicht nur, über alle Kanäle erreichbar zu sein, sondern auch, in allen Kanälen zu verkaufen. Auch Live-Streams gehören hier dazu.

So entdeckt ein Kunde zum Beispiel in seinem Feed eine Anzeige mit einem interessanten Produkt, mit einem Klick landet er im Facebook-Shop. Bei offenen Fragen kann er sich per WhatsApp oder Messenger an das Unternehmen wenden und kauft es bei Gefallen auch direkt dort. Danach kehrt er wieder in seinen Feed zurück und macht dort weiter, wo er vor Entdecken der Anzeige war. Und das, ohne auch nur einmal die Welt von Facebook zu verlassen.


Christian Schmidt ist Chief Creative Officer bei der Digitalagentur Interlutions, die er gemeinsam mit Eric Meurers im Jahr1999 gründete. Zu den Kunden zählen Nintendo, Nissan, Lego, Renault und Disney. Zudem zählt Schmidt zu den Mitgründern von  Sumo, einem Pionier-Unternehmen der SEO-Branche, das 2006 verkauft wurde.


Autor: W&V Gastautor:in

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