Nach dem Release konnte John Lewis schon 3100 Likes auf YouTube sammeln. Doch auch die ersten kritischen Stimmen tauchen auf. The Guardian ätzt sogar, dass nicht einmal der Markenkern in dem Spot erkennbar sei: "Süße Kinder? Stimmt. Bittersüßes Ende? Richtig. Rührselige Coverversion eines Liedes, das Sie einst mochten? Check, in diesem Fall eine Version von "Together in Electric Dream"“, die sich anhört, als wäre sie von jemandem gesungen worden, der in einen Brunnen gestürzt ist und gerade festgestellt hat, dass niemand kommt, um ihn zu retten. Ein derartiges Fehlen von John-Lewis-Produkten, dass jemand, der nicht weiß, was John Lewis ist, den Werbespot für eine Art Raumschiff-Reparaturfirma halten müsste? Richtig."

"Ziemlich schlecht in diesem Jahr, John Lewis, bleiben Sie bei Animations- und Tierthemen", wünscht sich YouTube-Nutzer Ryan. Nathan Soper assistiert: „0 Prozent Religion, 100 Prozent Fantasy-Unsinn." Und Aaron Brown fügt hinzu: "Abgesehen davon, dass es in der Weihnachtszeit spielt, kommt bei mir keine Weihnachtsstimmung auf wie bei einigen der vorherigen Spots. Leider kein Fan." Aber viele YouTube-Nutzer geben auch an, sie seien "zu Tränen gerührt".

Zu befürchten ist dennoch, dass die Financial Times in großer Analyse Recht hat: "John Lewis konnte die Loyalität der britischen Mittelschicht einst als selbstverständlich betrachten. Jetzt geben viele Kunden, die sich von Natur aus als John-Lewis-Kunden sehen, mehr bei Amazon und sogar mehr bei Lidl aus." Auch die ehemalige John-Lewis-Führungskraft Susanne Given sieht schwarz: "Millennials und Jüngere sind weniger Teil der DNA von John Lewis."

Anschluss verpasst?! Da dürfte auch der neue Weihnachtsspot allein keine Trendwende herbeiführen. Der Albtraum geht wohl weiter. Alles zum Heulen. Der Spot und die wirtschaftliche Schieflage von John Lewis.



Autor: Michael Gronau

ist Autor bei W&V. Der studierte Germanist interessiert sich besonders für die großen Tech-Firmen Apple, Google, Amazon, Samsung und Facebook. Er reist oft in die USA, nimmt regelmäßig an Keynotes und Events teil, beobachtet aber auch täglich die Berliner Start-up-Szene und ist unser Gadget- und App-Spezialist. Zur Entspannung hört er Musik von Steely Dan und schaut Fußballspiele seines Heimatvereins Wuppertaler SV.